Wurzeln und Gründung

Es waren die Veteranen der Feldzüge 1864, 1866 und 1870/71,die im Jahre 1874 den Krieger­verein in Konzen (Schreibweise bis 1936: Conzen) gründeten. Die Zeit nach den Kriegen war durch eine Hochstimmung und patriotische Begeisterung gekennzeichnet. Zweck des Vereins war die Pflege der Kameradschaft und der Geselligkeit. Der erste Präsident war der Sergeant a.D. M.P. Blumensath, der noch lange im Ort Polizeidiener war. Von 1887 - 1905 ist Ludwig Steinröx der nächste Präsident gewesen. Er war berühmt für seine "kernigen Ansprachen". Bis zum 2. Weltkrieg hat dann Werner Schreiber (Jaß-Aret, Lutterbach) dem Kriegerverein vorgestanden, ehe er von Heinrich Huppertz (Mechelches) abgelöst wurde. Nach dem gewonnenen Krieg von 1871 war natürlich die Begeisterung der Veteranen über nicht mehr nachzuvollziehende Heldentaten und Begeben­heiten Grund für viel Gesprächsstoff. Aber auch neue Mitglieder traten nach Ableistung der "aktiven Dienstzeit", also der Wehrpflicht, dem Verein bei. Der Mitglieds­beitrag betrug bis um 1900 monatlich 10 Pfennig, später dann 20 bzw. 50 Pfennig. Wer auf der Versammlung fehlte, hatte 25 Pfennig Strafgeld zu entrichten. Vor der Gründung des Kriegervereins gab es in Konzen nur die sog. Gelooge, die bei etwas "Tingel-Tangel" Tanzvergnügen abhielten. Deren Sitten und Gebräu­che sind ausreichend in der Chronik des Musikvereins zum 100jährigen Vereinsjubiläum von Heinrich Huppertz beschrieben worden und sollten hier nicht wiederholt werden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich auf diesen Treffen talentierte Mitglieder zu einer Blaska­pelle zusammenfanden. Es darf angenommen werden, dass dies schon 1874 Ziel bei der Gründung des Kriegervereins gewesen ist. Kriegerverein und Blaskapelle bildeten auf jeden Fall eine enge Gemeinschaft als ein Verein.

Die Gründer

Folgende Veteranen gehörten zunächst der Kapelle an:

  • Ludwig Steinröx (Harddrücke Lut) 1847 - 1912
  • Karl Josef Menzerath (et Hüppche) 1843 - 1904
  • Johann Lauscher (dr Loscher) 1843 - 1904
  • Johann Hubert Call (dr Schuster) 1845 - 1917

Es traten bald auch jüngere Leute ab 14 Jahren der Musikkapelle bei:

  • Michael Huppertz (Boschtehuppertz Mechel) 1853 - 1913
  • Josef Kleiner (Änne Jüesepche) 1859 - 1924
  • Johann Kleiner (Änne Jannes) wurde später 1860 - 1920 Dirigent und hat sich auch als Komponist betätigt
  • Hubert Erkens 1860 - 1945
  • Paul Erkens 1859 - 1922
  • Johann Schreiber (Schrievertches Jannes) 1861 - 1900 [Nicht auf dem Gründerbild]
  • Peter Widdauer ( dr Fleeschpötter) 1842 - 1911 aus Imgenbroich, von Beruf Postagent, der als Dirigent gewonnen werden konnte.

Kaplan Friedrich Gimken, ein begabter Musiker, unterstützte den jungen Verein mit seinen Kenntnissen. Glücklicherweise ist aus dieser Zeit ein Bild erhalten geblieben, welches eindrucksvoll unsere Gründer darstellt. Dieses Foto wird in einem Zeitungs­artikel der Aachener Volkszeitung von 1954 auf das Jahr 1889 datiert. Dies scheint jedoch unwahrscheinlich, da ja Peter Widdauer eindeutig als Dirigent zu sehen ist und auf der neben­stehenden Gratulationsurkunde von 1886 schon Johann Kleiner als Dirigent bezeichnet wird. So erscheint die Angabe des Jahres 1878 auf dem Bild im Vereinslokal, also vier Jahre nach der Grün­dung, als die ­richtige.

Nicht nur die Kriegsveteranen waren Mitglied, fast alle traten dem Krieger/Musikverein nach der "aktiven Dienstzeit" bei, so dass der Verein um 1900 ca. 60 - 70 Mitglieder (1943 noch 54 Mitglieder) hatte. In den 1890er Jahren waren sogar einige Männer aus Imgenbroich, wo es damals keinen Kriegerverein gab, Mitglied: Mathias Peter Görres, Direktor Wingten, Heinrich Honrath, Gottfried Küster, Bürgermeister Cremer, Hermann Herzwurm, Josef Küpper. Auch der Knecht von W.H. Huppertz, Harry Noel, aus Outrewarche, Kreis Malmedy, war Mitglied. Sicherlich spielten dabei nicht alle Musik und einige hatten an der Veteranentradition mehr Interesse, als an der Blasmusik.

Schon bald nach der Gründung bildete sich selbstständig die Musikkapelle mit dem Namen "Eintracht" mit weiterhin enger Verbindung zum Kriegerverein. Diesen Namen wählten die Gründer mit Wohlbe­dacht, heute würde man dies als Leitbild bezeichnen. Bei vielen Jubiläen und Festreden, aber auch in Zeiten von auseinandergehenden Meinungen, wurde dieses "Leitbild" nunmehr 125 Jahre bemüht. Die Tätigkeiten des Musikvereins erstreckten sich auf die Pflege der Kameradschaft, Mitwirkung bei goldenen Hochzeiten, bei der Fronleichnamsprozession und Teilnahme an Exequien und Beerdigungen Konzener Kriegsteilnehmern mit Ehrung am Kriegerdenkmal. Besonders wurde aber die Kirmes durch den Musikverein mitgestaltet und geprägt.

Mit der Vereinsgründung wurden die Saalfrage und die Beschaffung einer Vereinsfahne akut. Der Vereinswirt Dagobert Völl errichtete im Jahre 1876 über seiner Wirtsstube "Zur Laube" den ersten Saal in Konzen. Wilhelm Heinrich Huppertz, Gemeindevorsteher von 1846 bis 1860, fand sich bereit, dem Verein das Geld in Höhe von 80 Thalern für die Anschaffung einer Fahne zu leihen. Leider wurde das kostbare Stück nach Kriegsende 1945 nicht mehr vorgefunden. Lediglich der aufgebrochene Fahnenschrank war noch vorhanden. So wird dieses alte Stück vielleicht auf irgendeinem Flohmarkt in Amerika mal auftauchen. Erst 1962 wurde wieder eine neue Fahne angeschafft und geweiht.

Durch die Existenz eines Saales hörte allmählich der "Tanz auf der Tenne" oder "em Huus" der Geloogswirte auf. Weitere Säle kamen im 19. Jahrhundert hinzu, wo früher Gelooge waren:

  • Peter Josef Steffens (A Bäckesch)
  • Wilhelm Heinrich Huppertz (A Börbe, Breitestraße)
  • Gustav Schmitz (A Justavs, Schmied , seit 1883)

Aller Anfang ist schwer

Große Ansprüche konnte keiner stellen. Wenn es auch durchweg nicht an Spielertalenten fehlte, so doch vor allem an der benötigten Freizeit und an Geld. Vom Staat gab es keine finanzielle Unterstützung und Sponsoring war noch ein unbekanntes Wort. In der Hausweberei mussten die Männer, mitunter auch Frauen, von morgens früh bis abends spät den Handwebstuhl, die "Jezau", zum Tagesverdienst von 3 Mark bedienen. Die Anstrengung gab es nicht nur durch das Weben selbst, sondern man musste auch noch den Webstuhl mit Muskelkraft antreiben. Dabei halfen meistens auch noch schulpflichtige Kinder beim Spulen. Beim Wechsel in der Herstellung von Sommer- auf Winterwaren und umgekehrt stockten die Aufträge für die Weber. Dann waren schlechte Zeiten. Zum Überleben hielten sich die meisten Vieh, was auch für den Dorflehrer und den Pastor galt. Darüber hinaus bewirtschaftete man noch die Felder und das Venn, so dass eigentlich nicht viel Zeit für "überflüssige Musik" vorhanden war. Es kamen die Jahre der Flaute in der Hausweberei, die schließlich um 1890 ganz zum Erliegen kam. Es hat in Konzen etwa 50 Handwebstühle gegeben, die nun alle still standen. Große Arbeitslosigkeit war die Folge. Manche Konzener Familie sah sich gezwungen, in die Fremde nach Aachen, Köln, Düsseldorf oder sogar nach Amerika zu ziehen, um dort Arbeit zu finden. Die Wurzeln zur Heimat und zur Musik müssen schon stark gewesen sein, um diese Hindernisse zu überwinden. Trotzdem brachte es der Musikverein zu beachtlichen Leistungen, so dass auch davon berichtet wird, dass der Verein sogar in Eicherscheid zur Kirmes spielte.