Neuaufbau nach dem 2.Weltkrieg

Erste Generalversammlung

Schmerzliche Wunden und Schicksalschläge hatte der 2. Weltkrieg gebracht. Sechs aktive Spieler kamen nicht mehr in die Heimat zurück. Und jene, die in das trostlos zerstörte Heimatdorf kamen, fanden keine Häuser mehr vor, noch viel weniger Instrumente oder Noten. Man mußte wieder von vorne anfangen. Eine Neuanschaffung war in den ersten Nachkriegsjahren kaum möglich. Unter Leitung von Robert Schütt, der im Juli 1948 aus der Kriegsgefangenschaft kam, begann die schwere Wiederaufbauarbeit. Trotz der miserablen Wirtschaftslage beschafften sich über Zeitungsinserate einige eifrige Musiker Instrumente und spielten damit in lockerer Runde. Fritz Call und Arnold Jung lernten bei Hermann Schütt Trompete und Johann Schreiber , der Ziehharmonika nach Noten spielen konnte, stieß noch mit dem Tenorhorn dazu. Robert Schütt kaufte sich eine Geige und Johanna Weißbrod überließ billig ein komplettes Schlagzeug. Fritz Krings entpuppte sich als Schlagzeuger, so dass diese kleine Band dann 1949 mit "Dreimol Noll es Noll es Noll, merr jont mot de Kenger en de Scholl" den "Fastelovend" eröffnen und dann drei Tage bei Huppertz-Steinröx spielen konnte. Nach all den traurigen Nachrichten und Bildern der Zerstörung sehnten sich die Menschen nach Freude und Tanz. Besonders groß war die Freude über den Wiederbeginn der Konzener Blasmusik. Später wurde noch ein Es-Bass in Strauch gekauft und mit einer Tenorhornbegleitung meines Vaters Paul Huppertz wuchs die kleine Gruppierung weiter an. Außerdem gelang dann ein Auftritt bei der Fronleichnamsprozession 1949, wo sich 7 Spieler zur Begleitung versammelt hatten. Zu dieser Besetzung kamen noch Ende 1949 einige jüngere Spieler hinzu und begannen mit dem Erlernen eines Instrumentes. Mitten in der Arbeit traf den Verein ein schwerer Schlag. Das aktive Mitglied Johann Schreiber verunglückte am 15.9.1950 im Alter von 27 Jahren mit dem Milchwagen tödlich. In ihm verlor der Verein einen treuen Musiker und Kameraden.

Die anderen Musikpioniere setzten unverzagt ihre Arbeit fort, so dass schließlich 13 aktive Spieler zusammenkamen. Auf einer Musikprobe wurden dann auf Vorschlag Paul Huppertz (Boresjueseps) zum Vorsitzenden, Robert Schütt zum Musikleiter, Heinrich Huppertz (Hardtmattes) zum Schriftführer, Wilhelm Schreiber (Pietesch) zum Kassenwart, Hermann Schütt zum Beisitzer, vorläufig ernannt. Diese sollten den Verein bis zu einer Generalversammlung leiten. Dies geschah dann am 29. Juni 1951. Mein Vater Paul Huppertz schreibt später in der Chronik, dass man "auf Grund der Stärke des Musikvereins von 13 aktiven Musikern" den Verein in dieser Form erneuern musste. Zu dieser Versammlung waren alle Musiker, die dem Verein aktiv angehört hatten, eingeladen worden und diejenigen, die nun nicht mehr mitmachen konnten oder wollten, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Die Versammlung wurde auch schon von einigen Vorträgen umrahmt. Außerdem hatten sich Freunde und Gönner des Vereins als inaktive Musiker gemeldet.

Der Verein bestand nun aus folgenden Mitgliedern:

Ehrenmitglieder :Josef Call, Johann Call, Heinrich Call, Josef Claßen, Paul Huppertz, Wilhelm Huppertz, Jakob Kohl, Clemens Krings, Josef Roder, Josef Schütt, Alfons Steinröx, Peter Völl, Josef Zimmermann

Aktive Mitglieder: Ewald Huppertz, Heinrich Huppertz, Bernard Huppertz, Theo Huppertz, Paul Huppertz, Arnold Jung, Karl Kleiner, Hermann Kreitz, Reinhold Jung, Reiner Rönnig, Peter Schreiber, Wilhelm Schreiber, Robert Schütt, Hermann Schütt, Ewald Steinröx

Der Verein bestand nach dem 2. Weltkrieg bei der Erneuerung somit aus 34 Mitgliedern. Die kommissarischen Vorstandsmitglieder wurden bestätigt und im gleichen Jahr die Festlegung einer Satzung in Angriff genommen. Jetzt hatte der Verein konkrete Strukturen, einen Vorstand, eine Satzung und vor allem einen Schriftführer, der alles für die kommenden Generationen in Wort und Bild festhielt. Mein Vater Paul Huppertz hatte schon etwas Erfahrung in der Vereinsführung, da er seit 1948 im neu gegründeten Theaterverein als Vorsitzender tätig war und auch dort geordnete Vereinsstrukturen geschaffen hatte. Beim Theaterverein entwickelte sich zeitgleich neben der Gesangsabteilung eine Musikabteilung, die bei den Aufführungen den Abend umrahmte. Hier waren jedoch überwiegend Akkordeon, Zupfinstrumente oder Klavier eingesetzt. Am 2. Weihnachtsfeiertag 1948 wird dort vom ersten Einsatz einer "Theaterkapelle" geschrieben und am Ostermontag wird eine Blaskapelle erwähnt. Nach eindeutiger Aussage der Zeitzeugen ist jedoch sicher anzunehmen, dass es sich hierbei nicht um eine Gruppierung aus dem Musikverein gehandelt hat. Auch Robert Schütt, der ja zum Musikabteilungsleiter des Theatervereins gewählt worden war, berichtete nichts von solchen Einsätzen. Diese Musikabteilung des Theatervereins wird später nicht mehr erwähnt. Die Zusammenarbeit mit dem Musikverein hat wohl funktioniert, denn schon am 18.1.1953 feierte man einen gemeinsamen Kameradschaftsabend.

Eine Uniform

So etablierte sich der Musikverein Schritt für Schritt. Auf einer Vorstandssitzung am 5. März 1952 entschied man sich, eine einheitliche Kopfbedeckung anzuschaffen. Geld war dafür aber nicht in der Kasse, wie ja auch alle Instrumente trotz der ärmlichen Verhältnisse selbst angeschafft werden mussten. Fritz Krings und Paul Huppertz hatten auf einem Kameradschaftsabend des Theatervereins einen Sketch als Seekapitäne vorgetragen. Dabei hatten sie sich weiße Kapitänsmützen aus Papier besorgt, die billig waren. Der Anklang dieser Mützen beim Publikum an dem Abend war so enorm, dass die beiden auf die Idee kamen, ein gleiches Muster für den Musikverein bei Firma Bayer in Aachen zu bestellen. Ihre selbstbezahlten weißen Mützen trugen so die Musiker mit Stolz zum ersten Mal beim Patronatsfest St. Pankratius. Dazu trug noch jeder einen schwarzen Anzug (mit schwarzer Fliege), den hatte doch jeder noch von der eigenen Hochzeit und für notwendige andere Anlässe. Die Kleinkirmes 1952 wurde zu Gunsten der zerstörten Pfarrkirche auf der Schulstraße als erstes "Pfarrfest" durchgeführt. Die weiße Mütze und der schwarze Anzug, blieben bis heute das Markenzeichen der Konzener Blasmusik, obwohl diese "Uniform", die ja keine war, oft in Frage gestellt wurde.

Die Sicherheit im musikalischen Spiel wurde so verbessert, dass man sich Anfang 1953 auch zum ersten Mal auswärts zutraute, zu spielen. Beim Rosenmontagszug in Brand war hierbei Premiere. Dem folgten Auftritte zum Stiftungsfest in Steckenborn, dem internationalen Musikwettstreit in Eicherscheid und beim Grenzlandsportfest in Lammersdorf (Gage 25,-DM). So konnte man feststellen, dass das Vereinsleben in eine gewisse Routine gelangte, ohne dass mit Provisorien oder Halbheiten gearbeitet werden musste. Träger dieser unvorstellbaren Leistung in einer Zeit des Wiederaufbaus, bei der man normalerweise weder Geld noch Zeit gehabt hätte, war die Begeisterung für die Musik und die erlebte Kameradschaft.