Die Kameradschaft als Träger von Musik

Kameradschaft und Begeisterung Der Sieg hat viele Väter. Nach diesem alten Sprichwort war die Zeit nach den Feldzügen von 1864, 1866 und 1870/71 geprägt von einer patriotischen Hochstimmung. So schlossen sich allerorts Heimkehrer und Soldaten zu Kriegervereinen zusammen. Ihr Zweck war die Pflege der Kameradschaft und Geselligkeit. Diese Hochstimmung nach dem guten Überstehen einer Gefahrenlage war sicherlich auch Ursache, um dies in Musik auszudrücken. Da wo gute Stimmung ist, erklingt auch gleich Musik. Dieser psychologische Zusammenhang mag es gewesen sein, der aus dem Kriegerverein einen Musikverein hat hervorgehen lassen. Wir können uns diese patriotische Haltung heute kaum mehr vorstellen. Das Gefühl für die Obrigkeit war anders als heute geprägt von sehr viel Stolz und Vaterlandsgefühlen. Da sowohl Kameradschaft als auch die Musik im Bereich der Gefühle verankert sind, hat es diese Verbindung gegeben. Dieses Kameradschaftsgefühl hat natürlich im Laufe der Zeit auch verschiedene Wandlungen durchgemacht. In der Not ist Kameradschaft ja auch eine Zweckgemeinschaft. Zusammen bewältigt man eben schwierige Situationen und Lebensprobleme einfacher. Es herrscht das Gefühl, dass man nicht alleine da steht. Alleine dieses Gefühl stärkt die seelische Stabilität und führt zu einer tatsächlich besseren Ausgangssituation, um Probleme überwinden oder lösen zu können. Aber auch in der Freude, beim Feiern oder bei privaten Festen drückt sich die Kameradschaft aus. Den Kameraden oder Freund lädt man mit ein und lässt ihn teilhaben an der Freude. Dieser Ausdruck von Kameradschaft oder Freundschaft findet natürlich heute häufiger statt, da Notgemeinschaften kaum mehr erforderlich sind. Schon früh wird von Kameradschaftsabenden des Musikvereins berichtet, die ein geselliges Zusammensein mit Blasmusik waren. Kleine Soldatenschwänke und lustige Einlagen waren die Unterhaltungsindustrie im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Der Mobilitätsradius war nicht sehr groß. Wenn mal einer nach Köln fuhr, war das schon eine halbe Weltreise, über die man im Dorf sprach. Die Ferne kannten die Männer nur vom Krieg und die Werteordnung war auch stark militärisch geprägt. So kam "Markse Karl" auf Heimaturlaub, der in Berlin bei der Garde stand. Das halbe Dorf lief zum Bahnhof, um ihn gebührend in Empfang zu nehmen. Nur ein paar Kinder fuhren auf der Hohe Straße Schlitten, die sich dafür nicht interessierten. Ein zum Bahnhof eilender älterer Mann, "Schüttenanns Paul", schimpfte fürchterlich mit den Kleinen: "Do farrt err he vör nüs on weernüs mom Schlettche, on Markse Karl kött morr Bahn varr Jarde!" ("Wie könnt ihr hier für nichts und wiedernichts Schlittenfahren, wenn Marks Karl mit der Bahn von der Garde nach Hause kommt!").

Aus der Kameradschaft erwachsen weitere emotionale Bindungen, wie z.B. Treue, Wahrhaftigkeit, Begeisterung, Zusammengehörigkeitsgefühl oder sogar Liebe. Diese emotionalen Beziehungen waren es über all die sehr unterschiedlichen Zeiten der 125 Jahre, die den Musikverein getragen haben. Disziplin und Strafandrohung hat man auch hier versucht einzusetzen. Solche Instrumentarien waren aber selten geeignet, eine Gemeinschaft zu stützen oder fortzuentwickeln. Die Kameradschaft der Veteranen von 1874 lässt sich sicherlich kaum vergleichen mit der heutigen Kameradschaft, aber dieser emotionelle Zusammenhang zur Musik bleibt immer bestehen und bildet auch heute 1999 die Trägerschaft des Vereins. Natürlich ist dieser Zusammenhang nicht nur durch eine Ursache entstanden. Die Liebe zur Musik, die Begabung, das Tongehör, die Harmonie, der Rhythmus und das Zusammenspiel sind weitere Faktoren, die tragenden Charakter haben, die schwierige Zeit des Erlernens der Musik und der Proben durchzustehen. Aber auch die Zeit der Enttäuschung und Traurigkeit sowie der Generationenkonflikt können hiermit überwunden werden.

"Konzeeart"

Alljährlich am Stephanstag feierte der Kriegerverein das Stiftungsfest. Deshalb kann man annehmen, dass das Gründungsdatum der 26.12.1874 ist. Es wurde mit einem festlichen Hochamt eingeleitet, an dem sich der ganze Verein geschlossen beteiligte. Abends fand im Vereinslokal ein Konzert statt, zu dem auch immer der Pastor erschien. Es wurde 50 Pfennig Eintritt genommen, was nicht immer zur Deckung der Kosten reichte. Anfänglich diente beim Vereinswirt Dagobert Völl (Zur Laube) eine Saalecke zur Herrichtung einer Bühne. Danach wurde eine Bühne an der Südseite des Saales eingerichtet.

Umrahmt von musikalischen Darbietungen wechselten sich Bühnenaufführungen mit heiteren Stücken ab. So gab es also auch damals schon das Theaterspiel, obwohl sich erst 1947 in Konzen ein Theaterverein gründete.

Aus dieser Zeit stammt deshalb wohl noch die Redensart, "Merr jo nom Konzeeart", wenn man zum Theaterabend ging. Diese Redewendung benutzen die älteren Leute heute noch.

Bei einer anderen Aufführung erschien eine Hausiererin (Mann in Frauenkleidern) auf der Bühne, in der rechten Hand den Warenkorb und an der Linken ihren kleinen Raudi. Während die Mutter dem Hausherrn die Waren feilbot, richtete der kleine Raudi fortwährend sein Augenmerk auf den grauen Schnurrbart des Hausherrn. Plötzlich rief er laut der Mutter zu. " Kick ens Moer, dä Mann hat en Muus er Muhl!" (Schau mal Mutter, der Mann hat eine Maus im Mund). Die Spieler ließen sich öfter etwas spontan einfallen und füg­ten manch­mal den Rollentexten freie Passagen zu, wie hier die lautstarke Bemerkung. Die Mutter winkte ab :"Dom­me Jong, halt dinge Mongk!"("Dummer Junge, halt deinen Mund!") Tosender Beifall belohnt die Spieler wegen ihrer lustigen Einfälle.

Unteroffizier Tatschke, nahm in der Instruktionsstunde immer wieder den Muskoten Knolle auf´s Korn. Allerlei Kasernenhofblüten mit den unvorstellbarsten Kraftausdrücken und Drohungen der Unteroffiziere waren die Würze der heiteren Stücke. Dies traf genau den Erlebnisnerv der Veteranen und Aktiven. "Kerl, wo warst du wieder mit den Gedanken? Zu Haus bei deiner Mutter? Ich fress dich gleich für ein Frühstück oder schmeiße dich über die Kaserne."

Folgender Kurzwitz vom Kameradschaftsabend ist überliefert: Beförderung Musketier Humpfke schilderte seine günstigen Beförderungsmöglichkeiten als Soldat. Nachdem er erst drei Tage in der Uniform steckte, hatte er es vom Mondkalb übers Hornvieh bereits zum Kamel gebracht.

Ohm Karel hatte bei einer Gelegenheit einen Bühnenvortrag zu machen. Als er nun mutterseelenallein auf der Bühne mit seinem Vortrag beginnen wollte, überfiel ihn plötzlich das Lampenfieber. Unverrichteter Dinge machte er Kehrt mit den Worten:"Nu wes ich nüs mi !"Der Vorhang fiel, aber die darauf ausbrechende Heiterkeit nahm kein Ende. Schadenfreude scheint eben in jeder Zeit gleich schön zu sein.

Tänze

Zum geselligen Zusammensein gehörten neben reinen Männerrunden auch der Umgang mit dem anderen Geschlecht. So wurde natürlich auch gerne getanzt.

Auf Kirmesdienstag spielte der Musikverein "Eintracht" alljährlich beim Vereinsball des Kriegervereins zum Tanz. Morgens nahmen alle Mitglieder geschlossen an der Messe für die verstorbenen Vereinsmitglieder teil. Beim Tanzen sah man besonders auf Ordnung und exakte Ausführung. Im Gegensatz zu heute tanzte man im Kreise, wenn erforderlich auch in zwei Kreisen. Dabei wurde streng "auf Reihe Halten" geachtet. Gerne wurden alte Tänze wie Knületipp, Kreuzpolka, Reichsverweser und lange Polka aufgeführt. Den Höhepunkt erreichte der Vereinsball, wenn die Quadrille getanzt wurde. Dabei tanzten 32 Paare, je acht an jeder Saalseite, hin und her, bald im Kreis oder auch im Gänsemarsch. Selbst die Petroleumlampen an der Decke eine Etage tiefer in der Wirtsstube und die "Kaas-Wank" (Wand an der Langseite des Hauses) machten den Tanz mit, so dass dem Wirt manchmal mulmig zu Mute wurde. Doch jahrzehntelang hat es im Gebälk geknistert und geächzt, ohne dass etwas einstürzte, wie "et Völlche" befürchtete. Die Gelooge nahmen nach 1900 zahlenmäßig ab. Hauptsächlich gab es nur noch das Völls- und Justavs-Geloog. Gelegentlich ab 1914 auch noch bei Huppertz-Steinröx in dem neu erbauten Saal und Huppertz-Schartmann.

Die Jula

Die Jula sprach zu mir, sie sei so schön wie´ne Wachtel Doch als ich sie besah, da war´s ne alte Schachtel.

Refr. Hopsa, pidela, hopsa pidela, hopsassa

Die Jula sprach zu mir, sie tanzt wie eine Wimpfe. Doch als ich sie besah, da hatt´sie zeriss´ne Strümpfe

Die Jula sprach zu mir, sie hätte viele Gulden. Doch als ich sie besah, da waren es lauter Schulden.

Die Jula hat ein Maul, man könnt´sich drinn verstecken. Früher war sie rund, jetzt hat sie viele Ecken.

Die Jula sprach zu mit, ich ess´Kartoffelklöße, zweiunddreißig Stück, so Kerls von dieser Größe.

Zum Schluss: O, L u l a ( Ganz lang gezogen)

Kreuzpolka

Siste net do kimmt er, lange Schritte nimmt er Siste net do kimmt er schon, lange Schritte nimmt er schon

Reichsverweser

Mit den Füßen tapp, tapp, tapp

Lange Polka

Eins, zwei, drei, vier, fünf sechs, sieben, Sach, wo bist du nur so lang geblieben ? In Berlin, in Stettin, wo die Rosen zweimal blühn.

Der halbblinde Manderfelder Wellem, der an den Haustüren mit seiner Ziehharmonika spielte und auch gelegentlich zur Kirmes erschien, sang immer: "Nirgends gibt´s so´n gut´Glas Bier, als wie bei Heinrich Huppertz hier, das ist so wahr wie zwei mal zwei ist vier."

Nach 1900 bürgerte sich dann allmählich immer mehr der weit weniger ansprechende Lancier ein, ein Formationstanz, der heute ganz alten Leuten gerade noch bekannt ist. Der Musikverein spielte ihn zuletzt auf einem Altentag in den 1970er Jahren.

Montjoier Volksblatt vom 20.12.1902 Conzen, 19. Dez. Am kommenden 2. Weihnachtstage feiert der hiesige Musikverein "Eintracht" im Saale des Wirthen Herrn Dagobert Völl sein achtes Stiftungsfest Der Verein, der in der letzten Zeit an Mitgliederzahl wesentlich zugenommen hat, wird alles aufbieten, die geehrten Gäste zu befriedigen, wie er immer bestrebt war, durch seine Leistungen den Zuschauern einen angenehmen Abend zu bereiten. Es werden musikalische mit theatralischen Vorträgen abwechseln. Von letzteren erwähnen wir "Leonore", eine interessante Posse, die dem Gemüthe und dem Humor in gleicher Weise Rechnung trägt, der feierlichen Stimmung der Weihnachtstage entspricht, zugleich aber auch die Lachlust der Zuhörer erregt. - Sodann sei noch auf "Knarke", den Leutnantsburschen, hingewiesen, der durch seine Tölpelhaftigkeit seinen Herrn in die größte Verlegenheit bringt, dann aber durch seine "Pfiffigkeit" ihn aus der Patsche reißt. Alles in allem verspricht das Fest einen günstigen Verlauf zu nehmen. Wir wünschen von Herzen, dass dasselbe dem Verein neue Freunde zuführe.

Vermerk: Wenn 1902 vom achten Stiftungsfest die Rede ist, kann dies mehrere Ursachen haben: 1. Es ist schlicht falsch (Eindeutige Urkunden liegen vor) 2. Im Manuskript wurde die 2 von der Zahl 28 unterschlagen 3. Das Stiftungs fest wurde bisher nur acht Mal gefeiert

Heldentaten

Auch um die Jahrhundertwende saß man nach den Veranstaltungen noch gern gemütlich zu­sammen. Die Musik sorgte dann noch mit Einlagen für Stimmung, so wie sich das teilweise bis heute erhalten hat. Die Alten tranken immer noch ein "Öertche" Retstener (Reichensteiner). Bei den Veteranen und den Musikern fehlte es nicht an Stimmungskanonen, wie Hardrücke Lut (Ludwig Steinröx) , et Hüppche (Karl Josef Menzerath), Kreetze Jannespetter (Johann Peter Kreitz) und einige andere. "Va sevenzig" hatten sie noch manche wahre oder "angereicherte" G­eschichte auf Lager. Der Sieg hat eben viele Väter und produziert viele Helden. Die Erstürmung der Spicherer Höhen bei Saarbrücken am 6. August 1870 durch das Füselierregiment Nr. 40 fehlte nie, wenn der Abend spät war. Die bei der Garde "gestanden" hatten, kamen immer wieder auf die Schlacht von St. Privat vom 16. bis 18. August 1870 zu sprechen, wo die Garde unter denkbar schwersten Verlusten an Toten und Verwundeten dennoch Sieger blieb. So kämpften sie noch recht lange und vergaßen dabei ihr zu Hause, wie das heute ja auch schon mal vorkommt, jedoch mit anderen Themen. Früher gab es dann die sog. Gardinenpredigt, die deshalb so hieß, weil sie hinter dem Bettvorhang, mit dem die Betten zugezogen wurden, gehalten wurde.

Pfeifende Kugeln

Andrese Wellemche ( Wilhelm Josef Call) spottete über den schlechten französischen Schützen, dem es nur gelang, ihm die Helmspitze herunterzuschießen. Heckjerrets Maspetter (Mathias Peter Blumensath) brüstete sich damit, dass eine verirrte französische Kugel an seinem Koppelschloss abgeprallt sei. Harddrücke Lut "überlistete" den Feind, indem er sich immer bückte, wenn er eine feindliche Kugel heranpfeifen hörte.

Ernüchterung

Nach dem 1. Weltkrieg trat natürlich eine große Ernüchterung ein. Der Kaiser hatte als Idol und Leitbild versagt. Neue Ideale wurden gesucht. Altes und neues Denken, Monarchie und Republik riss die Menschen der 1920er Jahre hin und her. Wirtschaftliche Krisen und Unruhen, auch im nahen Aachen (Separatistenaufstände) und die Besetzung des Rheinlandes trugen mit zur Desorientierung bei. In dieser Zeit schien sich der Musikverein stärker auf der musikalischen Ebene zu entwickeln und die Veteranen mit ihren militärischen Gedanken wurden stiller. Es wurden trotz dieser entbehrungsreichen Zeit, in der auch der Hunger ein ständiger Begleiter war, Instrumente und Noten angeschafft, um zusammen zu musizieren. In diese Zeit fällt auch die Herausbildung einer Streichergruppe, die sich insbesondere für Tanzmusik zusammenfand. Robert Schütt spricht sogar von "einer richtigeBand", die sehr viel zum Tanze aufgespielt hat. Beim Treffen hatten die Spieler mehr das Gefühl, dass beim gemütlichen Bier oder Schnaps auch mal gespielt wurde und nicht umgekehrt. Jedoch wuchs auch in dieser Zeit Freundschaft und ein Zusammengehörigkeitsgefühl, welches auch die Militärzeit und den nächsten Weltkrieg überdauerte.

Streichergruppe: Robert Schütt, Hermann Schütt, Clemens Krings, Ferdi Völl, Ewald Stoffels, Josef Kirch, Josef Gillessen, Karl Engel, Herr Mandt ab 1932 als Dirigent

Von der Notgemeinschaft zur Feierrunde

Notgemeinschaften waren die stärksten Kräfte beim Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg. Entbehrungen und Bescheidenheit waren gefragt. Das Bedürfnis nach Schönem, nach Harmonie und nach der heilen Welt war groß. So war denn auch das Zusammengehörigkeitsgefühl Triebfeder, den Musikverein wieder neu zu beleben. Generalversammlungen wurden dabei nicht nur rein geschäftsmäßig abgewickelt Sie waren auch ein kameradschaftliches Treffen, bei dem man Pläne schmiedete und insbesondere natürlich Blasmusik spielte.

Kameradschaftsabend

Von dieser inneren Stimmung getragen entstand auf einer Vorstandssitzung die Idee, einen Kameradschaftsabend zu veranstalten. Dieser wurde dann auch erstmalig am 18.1.1953 zusammen mit dem Theaterverein durchgeführt. Danach gab es dann eine größere Pause, bis der Verein am 20.10.1957 wieder einen solchen Abend einführte, den man jetzt Familienabend nannte. Alle Mitglieder waren mit ihren Familien erschienen, und das Programm wurde vom Vorstand und den Aktiven selbst gestaltet. So sang der Vorsitzende Robert Schütt bekannte Lieder mit Klavierbegleitung und Dirigent Ewald Huppertz spielte ein Solo auf der Posaune, wobei er von Felix Palm auf dem Klavier begleitet wurde. Hermann Kreitz und Karl Kleiner spielten einen kurzen Einakter mit dem Titel "Der Kohlenhändler". Nach einer damals noch mit Spannung erwarteten Verlosung spielte die Musikkapelle noch zwei Stunden zum Tanz. So entstand eine Veranstaltung, die sich vom Familienabend des Vereins zum karnevalistischen Dorfabend entwickelte und im Jahreskreis des Musikvereins und des Dorfes nicht mehr wegzudenken ist. 1959 traten weitere Aktive auf dem Kameradschaftsabend in Aktion. Willi Kreitz stellte sich als "Ne Verdötschde" vor und ein "Heinowal-Trio"1 besang in einer Parodie das Vereinsleben. Damit war die sog. "Bierzeitung" ins Leben gerufen. An diesem Abend gab es auch unter der Anleitung von Norbert Huppertz zum ersten Mal ein Quiz, welches in späteren Jahren von Paul Huppertz neu aufgegriffen wurde.

Mandolinen- und Tanzgruppe

Die Kameradschaftsabende der 1960er Jahre waren geprägt vom Einsatz der Mandolinengruppe und der damals entstandenen Tanzgruppe. Die Mandolinengruppe hatte sich 1961 gegründet, war jedoch zunächst ohne eine richtige Vereinstruktur. Auf Antrag wurde sie auf der Generalversammlung 1962 als Abteilung in den Musikverein unter der Leitung von Günter Rönnig aufgenommen. Dabei handelte es sich um eine Art Patenschaft, die der Musikverein übernahm. Mit der Mandolinengruppe gestaltete man auch hin und wieder gemeinsame Konzerte. Die Tanzgruppe unter der Leitung von Dieter Weißbrod war in Konzen etwas ganz neues und brillierte insbesondere auf dem Kameradschaftsabend mit ihrem Leuchttanz.

Von der "Tour de France" zur Dorfchronik

Eine für viele unvergessener Höhepunkt auf dem Kameradschaftsabend war 1966 dann ein Gesangsauftritt von meinem Vater Paul Huppertz und mir als Radfahrer der "Tour de France", die im Jahr zuvor durch die Eifel gekommen war, jedoch an Monschau "drlangs" ("vorbei") gefahren war. Nun entwickelten sich alljährlich neue Ideen, auf die nicht nur die Mitglieder des Vereins sondern das ganze Dorf immer gespannt warteten. Hervorzuheben ist die feste Institution einer humoristischen Dorfchronik, die sich als zweiter Teil aus der sog. Bierzeitung entwickelte. Im Laufe des gesamten Jahres wurden Anekdoten und Begebenheiten gesammelt, die dann in Liedform gekleidet zum Gaudi aller vorgetragen wurde. War im Dorf irgendwo etwas daneben gegangen, gab es das geflügelte Wort: "Dat ös jet för de Dorfchronik" ("Das ist was für die Dorfchronik")

Die Dorfchronisten waren für die Gesamtgestaltung des Abends verantwortlich und planten diesen Abend in der Regel bereits ab Oktober des Vorjahres. Dabei probten sie meistens schon einmal in der Woche, so dass der Zeitaufwand für den einen Auftritt auf dem Familienabend schon erheblich war. Dabei traf man sich abwechselnd zu Hause, meistens in der Kellerbar, bei einem kühlen Bier und einem Els. Diese "geistige Bildung" war dann oft Voraussetzung für manche unvergessene (Schnaps-)Idee, die unter strengster Geheimhaltung für den karnevalistischen Abend vorbereitet wurde. So ist der Auftritt als verpackte Christoschau, als Pastöre, mit einem Gemeindearbeiter in Rosenhütten, mit Sprengung beim Kanalbau oder als Monschauer Ratsvertreter unvergessen. Höhepunkt dieser Zeit war der Auftritt als Dschingdis-Khan-Gruppe, der das Publikum von den Stühlen riss.

Dorfchronisten

1967 - 1984 Josef Jansen 1967 - 1974 Theo Huppertz 1967 - 1997 Willi Kreitz 1967 - 1986 Manfred Huppertz 1972 - 1988 Kurt Schreiber 1972 - 1988 Manfred Schreiber 1972 - 1997 Reinhold Schreiber 1972 - 1976 Walter Schaly 1986 - 1999 Mathias Steffens 1986 - 1999 Dietmar Call 1988 - 1997 Jochen Huppertz 1988 - 1997 Egon Kell 1991 - 1997 Jürgen Völl

Die Moderation eines solchen Abends lag meistens in den Händen des Vorsitzenden oder dessen Vertreters bis auf eine Ausnahme 1963, als ein vereinsfremder Conférencier (Hermann Stahlberg) mit rheinischem Witz und Humor engagiert wurde. Viele Büttenredner aus eigenen Reihen haben sich hervorragend eingebracht und zum Gelingen des Abends beigetragen.

Conférenciers: Paul Huppertz 1964 bis 1970, Christoph Call 1971 bis 1973, Reinhold Schreiber 1974 +1983, Josef Jansen 1975 bis 1979+1982 , Josef Henn 1959+80+81+85, Manfred Huppertz 1986 bis 1999.

So kann man sagen, dass der Kameradschaftsabend von der Gründung an ein wichtiges soziales Verbindungselement der Musikergenerationen ist. Da wo sich über 50 meist junge und ältere Menschen für eine Sache mit viel Engagemant und Elan ohne Bezahlung einbringen, braucht man keine Angst um den Fortbestand zu haben. Diese menschliche Energiequelle wird jedes Jahr neu entfacht und unsere Besucher und Zuhörer sind jedesmal neu gespannt, was den Akteuren wieder eingefallen ist. Dabei fällt es leicht, eine Brücke zur Musik zu schlagen. In Zeiten, in denen die Kameradschaft gut gepflegt wurde, war auch das musikalische Spiel gut. Das eine bedingt das andere.

Musikfrauen

Diese Kameradschaft war übrigens nie reine Männersache. Die Musikfrauen, das sind zunächst die Ehefrauen, haben sich von je her als Teil dieser Kameradschaft verstanden. Ohne ihre Zustimmung und Unterstützung im Hintergrund, wäre vieles nicht möglich gewesen. Bei der Organisation von Festen waren die Frauen immer voll mit engagiert. Dies führte sogar soweit, dass sie in den 1970er Jahren begannen, kleine Treffen bei einem Essen zu arrangieren. Später traten sie auch in mehreren Generationen beim Kameradschaftsabend im Programm mit auf. Bei Ehrungen von den Männern ließen es sich die Vorsitzenden nicht nehmen, immer auch an die Frau im Hintergrund zu denken und sie mit einem Blumenstrauß mit zu ehren. Eine andere Art von Musikfrauen kam am 13.12.1975 mit Ruth Huppertz und Gabi Palm in den Verein: Aktive Musikerinnen. Sie nahmen genauso Anteil an der Kameradschaft und wuchsen ohne Probleme in diese Männergesellschaft hinein. Mittlerweile beträgt der Frauenanteil über 30% und aktive Spielerinnen sind im Vorstand, in der Jugendarbeit, in Festorganisationen, insbesondere aber in die Kameradschaft mit einbezogen. Das bleibt natürlich auch nicht ohne Folgen. So haben einige die Kameradschaft "übertrieben" und sind eine Lebensgemeinschaft eingegangen. So lernten sich Steffi Kreitz und Walter Schreiber auf einem Musiklehrgang in Aachen näher kennen und heirateten dann 9 Jahre später. Katrin Vollmann und Stefan Herbst haben sich als zweites Paar im Verein kennengelernt. So kann man davon ausgehen, dass es auch in Zukunft im Musikverein noch öfter "funkt".

Büttenredner

Guido Braun, Benno Bräutigam, Christoph Call, Norbert Harings, Paul Huppertz, Josef Jansen, Reiner Johnen, Arnold Jung, Toni Knippen, Franz Kreitz, Heinz Kreitz Raimund Krings, Fritz Krings, Günter Krüger, Reinhard Palm, Franz-Josef Rosenwick, Wolfgang Schaffrath, Reinhold Schreiber, Manfred Schreiber, Manfred Strang, Frank Zimmermann.

Ausflüge

Ein beliebtes Ereignis nach dem zweiten Weltkrieg war auch immer der Musikausflug. Ob die Musiker auch vor diesem Krieg mal einen Ausflug unternommen haben, ist leider nicht überliefert. Der Drang nach all den Entbehrungen des Krieges und der Flucht, "in die weite Welt" zu fahren, war umso größer, als man in dieser Zeit ja noch überhaupt keinen Urlaub im heutigen Sinne kannte. Meistens war Freizeit mit Heuernte oder Hausbauen ausgebucht. Aber ein eintägiger Ausflug war möglich. So fuhren die Aktiven mit ihren Instrumenten, begleitet von ihren Frauen und vielen Inaktiven, am 6. August 1953 zum ersten Mal in die Ferne. Man besichtigte die Burg in Reifferscheid und den Dom in Steinfeld. Die Musiker stiegen in die Kaktushöhle bei Eiserfey und besuchten in Pesch den Konzener Pastor Goffart, der alle in eine Gaststätte einlud. Zwischendurch wurde Musik gemacht, zu der sogar getanzt wurde. Schließlich landete die Gesellschaft nach dem Besuch von Münstereifel auf einer Kirmes in Iversheim, wo man sich natürlich noch prächtig amüsierte, ehe mit dem Bus die Heimreise angetreten wurde. So oder ähnlich verliefen ab diesem Zeitpunkt fast jedes Jahr die Ausflüge des Vereins meistens in südliche Richtung durch die Eifel zur Ahr, an die Mosel oder den Rhein. Viele köstliche Stunden haben die Mitglieder so bei schöner Kameradschaft und Blasmusik erlebt. Sicherlich hat es auch mal kleinere Streitereien nach zuviel Alkoholgenuss gegeben. Diese waren aber bei der nächsten Probe auch schon wieder vergessen. Eine nützliche Übung des "sich richtig Streitens". Die Kameradschaft und "Eintracht" als Leitbild waren eben stark genug, diese Schwächen menschlicher Beziehung, die ja zum Leben gehören, zu kompensieren.

Konzertreisen

Von diesen Ausflügen ragen zwei heraus, die als Konzertreisen unter der Regie von Norbert Harings mehrtägig durchgeführt wurden. So fuhren 20 aktive Musiker mit 30 Inaktiven vom 9.10. bis 17. 10 1993 nach Weerberg in Tirol. Leider konnten sich einige ältere Spieler nicht entschließen, diese Reise mitzumachen, obwohl das Reiseziel für diese Gruppe genau passend war. Doch die Stimmung übertraf alle Erwartungen. Höhepunkte waren ein Fahrt mit der Zillertalbahn, eine Schiffsfahrt mit Blasmusik über den Achensee und ein Platzkonzert unterm goldenen Dachl in Innsbruck. Zum Schluss feierten alle die Rubinhochzeit von Irma und Franz Huppertz in sehr gemütlicher Runde. Die zweite Konzertreise führte vom 11. - 17. 10. 1997 nach Frauenau im Herzen des bayrischen Waldes. Leider war diese Woche etwas durch den Dauerregen getrübt, jedoch schien bei stimmungsvoller Blasmusik die Sonne in die Herzen der mit zwei Bussen in stattlicher Zahl mitgekommenen Fans der Konzener Blasmusik. Höhepunkte waren Besuche in Prag, Passau, Regensburg und der "Walhalla". Durch diese mehrtätigen Fahrten sind dem Musikverein Freundschaften erwachsen, die eine besondere Tiefe haben und sicherlich in dieser Art fortgeführt werden.

Wanderungen

Ein fester Termin für eine Wanderung zusammen mit dem Turnverein ist immer der Christi Himmelfahrtstag. Noch ehe die Rede vom Vatertag war, hatten sich schon 1954 die Vorstände des TV und des Musikvereins hierzu entschlossen. Doch der erste Termin musste verlegt werden, weil Bundeskanzler Konrad Adenauer und der Ministerpräsident des Landes NRW Karl Arnold nach der Karlspreisverleihung von Aachen nach Konzen kamen. Beide Vereine waren natürlich zu diesem historischen Ergeignis zur Stelle. So wurde die erste "Christi Himmelfahrtswanderung" am Pfingstsonntag, dem 6.6.1954, durchgeführt. Mit der ganzen Familie wanderten beide Vereine durchs Kalltal bis nach Simonskall und fuhren dann mit einem Bus von dort nach Rollesbroich. Dort blieb man bis zum Abend. Die Musiker hatten natürlich die Instrumente mit und spielten sowohl unterwegs, wie auch in und an den Raststätten. Diese Wanderung findet bis heute guten Anklang und wird meistens mit Kind und Kegel in der näheren Umgebung zwischen Venn und Rurtal jedes Jahr am Himmelfahrtstag abwechselnd von den Vereinen durchgeführt. In den letzten Jahren kommen die Wanderer allerdings meistens, vielleicht gelegentlich "etwas schleppend" zu Fuß nach Konzen zurück.

Gartenfest

Seit 1972 gibt es einen weiteren Jahrestermin, der zur Kameradschaftspflege durchgeführt wird. Meistens am Ende des Sommers, wenn der Termindruck etwas nachlässt, sollten die Aktiven und ihre Frauen für die vielen Mühen mit einem Gartenfest auf Kosten des Vereins "belohnt" werden. Bei Heinrich Huppertz am Feuerbach wurde das erste Gartenfest mit gegrillten Hähnchen gefeiert. Dabei war die Grilltechnik noch nicht so ausgereift. Wegen der Vielzahl der Hähnchen hing die ca. 2.5o Meter lange Grillstange in der Mitte durch. Deshalb waren diese Hähnchen zuerst gebraten und die am Rand noch roh. Trotz dieser unfertigen "Grillkünste" hatte es allen viel Freude bereitet und trug zur Festigung der Kameradschaft bei. Natürlich war von Anfang an immer bis 22.00 Uhr die Blasmusik mit dabei, denn "mit Musik geht alles besser". Schon recht bald wurde zu diesem Grillfest auch der Vereinswirt mit Frau, die Dorfchronisten, die ja sehr viel Zeit für den Verein investierten und auch die Ehrenmitglieder eingeladen. Es ist zwar schon mal an demselben Platz gefeiert worden, aber Gastgeber war jedes Mal ein anderer Aktiver, wobei die Kosten vom Verein getragen wurden. Dies wurde jedoch erheblich dadurch reduziert, dass Ehrenmitglied und Braumeister Willem Braun uns in der Regel das Bier spendierte. Ritual war auch immer das Anzünden eines großen Feuers, an dem man sich zu später Stunde noch ein wenig aufwärmen konnte. Wenn es regnete, bauten die Aktiven schnell einen Regenschutz, liehen ein Zelt oder richteten eine Garage her. Es war und ist jedenfalls immer sehr lustig, insbesondere am nächsten Morgen, wenn aufgeräumt werden musste und dabei noch die restliche Koteletts oder Würstchen "vernichtet" wurden.

Gartenfeste: 1972 Heinrich Huppertz - 1973 Willi Kreitz -1974 Karl Kleiner - 1975 Franz-Josef Jung - 1976 Manfred Huppertz - 1977 Ewald Steinröx - 1978 Raimund Jung - 1979 Josef Huppertz - 1980 Willi Schreiber - 1981 Ewald Huppertz - 1982 Peter Schreiber - 1983 Fritz Neuß - 1984 Willem Braun - 1985 Wilhelm Huppertz -1986 Ewald Blumensath - 1987 Reinhard Palm - 1988 Horst Weiler - 1989 Jo Cremers - 1990 Hermann Kreitz - 1991 Walter Trampenau - 1992 Reinhold Jung - 1993 Norbert Harings - 1994 Steffi Kreitz - 1995 Guido Huppertz - 1996 Achim und Markus Christen - 1997 Maria Henn - 1998 Reiner May - 1999 Reiner Thomas

Hochzeiten und Geburtstage

Selbstverständlich spielt der Verein schon von alters her ein Ständchen zur Hochzeit der aktiven Spieler. Bis in die 60er Jahre wurde sogar für die Inaktiven aus diesem Anlass ein Ständchen gebracht. Dabei gab es meistens belegte Brötchen, einen "Kurzen" und Flaschenbier. Seit den 70er Jahren wird zu diesem Anlass nur noch eine Abordnung geschickt, weil der Verein inzwischen auf über 300 Mitglieder angewachsen war. Trotzdem war die "Mussik" zur Stelle, wenn Konzener, auch wenn sie nicht Mitglied waren, außergewöhnliche Geburtstage feierten (Z.B. 100 Jahre Frau Maria Krings und 90Jahre Johann Call). Selbstverständlich wurden runde Geburtstage ab 50 sowie Silber- und Goldhochzeiten von aktiven Spielern und Ehrenmitgliedern immer gebührend gefeiert, so dass der Terminkalender der Spieler stets gefüllt war.

Freundschaft mit Allagen

Bereits beim 85jährigen Stiftungsfest hatte der Musikverein "Eintracht" Konzen eine kleine Partnerschaft mit einer Kapelle des Eschweiler Bergwerkvereins geschlossen. Da die Spieler über Mittag blieben, entwickelte sich bis zur Auflösung dieser Kapelle unter dem Dirigenten Schümmer eine intensive Kontaktpflege. Josef Höcker, ein Bauunternehmer aus Westfalen, hatte 1962 seinen Wohnsitz nach Imgenbroich verlegt. Er war sehr gut mit Josef Henn, dem langjährigen Vorsitzenden des Musikvereins, befreundet. Als ausgesprochener Liebhaber der Blasmusik war, trat er anlässlich eines Auftrittes des Musikvereins in Imgenbroich bei August Ritter sofort als inaktives Mitglied ein. Da er seiner westfälischen Heimat noch immer treu war, wurde er 1968 in Wamel am Möhnesee Schützenkönig. Sein größter Wunsch war es nun, seine Schützenbrüder und die Wameler Bevölkerung mit der Konzener Blasmusik zu überraschen. So sprach er mit Ewald Huppertz, und man kam überein, am letzten Sonntag seiner Regentschaft, dem 6. Juli 1969, in Wamel am Möhnesee auf dem Schützenfest zu spielen. Die Überraschung war wohl gelungen. So spielten die Konzener Musiker im Festzug und überzeugten recht schnell nicht nur durch musikalisches Können, sondern auch durch die unbeschwerte Art, fröhlich und lustig zu sein. Josef Höcker erinnerte sich noch genau, dass die Schützen staunten, als die Musiker auch noch im steilsten Berg weiterspielten, obwohl man bisher dann nur immer alleine die Trommel gewohnt war. Im Festzelt traf man dann den auch mitwirkenden Musikverein aus dem Nachbardorf Allagen. Die Konzener verstanden es recht schnell, mit rheinischer Fröhlichkeit eine tolle Stimmung herzu­stellen, so dass bei Bier und Wein schnell einige Freund­schaften geschlossen wurden. Man vereinbarte ganz spontan bei guter Laune in der Gaststätte Heidbrünnken einen Gegen­besuch, der dann auch im gleichen Jahr 1969 durchgeführt wurde. 1972 besuchte dann der Musikverein Eintracht Konzen zum ersten Mal Allagen selbst. Da die Unterbringung jeweils bei Allagener Musikfreunden organisiert war, kam sehr unkompliziert ein guter Kontakt zu Stande. Schnell wurden unter den sehr begünstigenden spät­abendlichen Einflüssen weitere Freundschaften geschlossen. Fortan besuchten sich beide Vereine alle zwei Jahre im Wechsel. Das war wohl eine offensichtlich richtige Distanz, aber auch erforderliche Nähe, um eine langjährige Freundschaft zu garantieren. Es entwickelten sich Zweierfreundschaften, die z.T. bis heute noch fortbestehen, während einige andere neu entstanden sind.

Zweierfreundschaften: Willi Kreitz - Bernard Paeck, Ewald Steinröx - Walter Peitz, Heinrich Huppertz - Winold Kutscher, Ewald Huppertz - Heinz Kutscher, Karl Kleiner - Heinz Kutscher, Franz Huppertz - Reinhard Griese, Josef Huppertz - Jupp Koch, Fritz Neuß - Willi Koch, Manfred Huppertz - Jupp Weller, Jo Cremers - Bernie Paeck

Unvergessen bleibt, wie auf einer Rückfahrt von Allagen, Ewald Steinröx den geschenkten westfälischen Schinken mit dem Taschen­messer so lange zerkleinerte, bis alle satt und der Schinken alle war. Bei einem Gegenbesuch der Allagener in Konzen hatten sich diese auch zu einem Ständchen für den Gründer der Freundschaft, Josef Höcker, entschlossen, welches sie ihm in Imgenbroich spielten, ehe sie nach Konzen fuhren.

Eine schöne Erweiterung des Besuchsprogramms war auch eine Idee der Allagener, den Aufenthalt mit einer Besichtigung zu ver­binden. So haben wir nun alle Sehenswürdigkeiten von Allagen, Soest und Umgebung kennengelernt und die Allagener Konzen, Monschau, Rursee und Umgebung. Die Freundschaft zwischen einer neuen Generation in beiden Vereinen ist wohl noch entstanden, war jedoch nicht mehr so intensiv. Es hat in einigen Fällen auch heiße Blicke und mal ein Tänzchen gegeben, jedoch ist daraus leider keine dauerhafte Verbindung, ein Verhältnis oder sogar eine Hochzeit geworden. Ein Mädchen aus Allagen ist zwar schon mal fast mit im Bus bis nach Konzen gefahren, jedoch am Ortsausgang Allagen leider wieder ausgestie­gen und hat dann später einen Musiker aus Allagen geheiratet. Eine solche Verbindung zwischen den beiden Vereinen bleibt offensichtlich neuen Generationen vorbehalten Am 8. und 9. Oktober 1994 feierten beide Vereine dann in Konzen das 25-jährige Bestehen dieser erfolgereichen Freundschaft. Als Höhepunkt spielten beide Orchester zusammen ein Potpourri von Verdi auf, welches mit ca. 60 Musikern beider Vereine am Sonntagnachmittag die Konzener hellauf begeisterte. Zwei Jahre später fanden sich leider nur noch 15 Spieler bereit mit nach Allagen zu fahren, so dass es zu einer Unterbrechung des bisherigen Besuchsrythmus kam. Allerdings besuchten wir die Allagener dann zu ihrem 75. Stiftungsfest am 31. 8 1997 in einer eintägigen Tour. Zu einem Gegenbesuch ist es dann nicht mehr gekommen, so dass beschlossen wurde, sich bei großen Festen und Jubiläen weiterhin mit dem Orchester oder einer Abordnung gegenseitig zu besuchen. Leider konnten die Allagener auch 1999 einer Einladung zum 125jährigen Stiftungsfest aus Termingründen nicht folgen.