Jugendarbeit

Jugendarbeit in einem Verein ist nicht nur notwendige Investition für die Zukunft, sondern führt neben einer musikalischen Bildung die Jugendlichen auch in die Gesellschaft ein. Jugendarbeit ist insofern direkte Sozialarbeit.

In den Vereinen haben die Jugendlichen ein Trainingsfeld für "soziales Lernen" und lernen sich dort leichter in Gruppen einzuordnen. Aber auch hier ist ein grundlegender Wandel festzustellen. Während bis in die 1970er Jahre Jugendliche froh sein durften, außerhalb des Elternhauses ausgehen oder bei Ausfahrten und Auftritten dabei sein zu können, ist das Angebot heute vielfältiger denn je. Die Achtjährigen brauchen beinahe schon einen Terminkalender, um die eingegangenen Freizeitbetätigungen zu koordinieren. Ferienspiele, Spaßbad, Reiten, Modellflugzeugbau, Sport und Gesang werden nun auch in kleineren Gemeinden angeboten. Dazu verändern sich die gesellschaftlichen Bedingungen.

Das deutsche Jugendinstitut stellt dazu fest: "Die sogenannte Normalfamilie (Ehepaar mit Kindern) ist im Rückgang begriffen. Nahezu die Hälfte aller Kinder wächst heute als Einzelkind auf, ein weiteres Drittel hat lediglich ein Geschwisterkind. Dies bedeutet, dass sie zunehmend auf Gleichaltrigenkontakte außerhalb der Familie angewiesen sind. Durch die Zunahme von Scheidungen erfährt ein wachsender Anteil von Kindern die Familie nicht mehr als eine im Zeitverlauf stabile Intimgruppe, sondern wird mit Trennung und Wechsel der Bezugspersonen konfrontiert."

Der Musikverein übernimmt ein Stück Erziehungsarbeit, die früher dem Elternhaus zukam. Dort bringt man die Jugendlichen mit Gleichaltrigen, aber auch mit Erwachsenen zusammen. Sie lernen, Rücksicht auf andere zu nehmen und Schritt für Schritt eigene Verantwortung zu tragen. Sie erlernen Toleranz und Demokratieverständnis, indem sie sich oft mit ihren individuellen Vorstellungen der Gemeinschaft unterordnen müssen. Dies ist nicht immer einfach und bedarf großer Geduld und Einfühlungsvermögen der Verantwortlichen im Verein. 1958 wurde die Nachwuchsarbeit in unserem Verein noch in einem anderen Lichte als heute gesehen. Als in der Generalversammlung am 14.12.58 der Vorschlag gemacht wurde, "endlich mal für Nachwuchs der Aktiven zu sorgen", sprach sich der Dirigent dagegen aus. "Man könne nicht jedem x-beliebigen jungen Burschen nachlaufen, um ihn für die Sache zu gewinnen, wenn sie nicht freiwillig kämen." So war und blieb Jugendarbeit gemäß dem Prinzip, "sie müssten ja froh drum sein", Zufallsangelegenheit. Erst ab den 1970er Jahren wurde dies mit Einrichtung der Jungbläserschule in Simmerath anders und der Musikverein "Eintracht" Konzen machte mit der Ausbildung vieler Schüler einen Schritt nach vorne. Im Verein beschränkte sich die Jugendarbeit auf die Beförderung nach Simmerath und dem Spiel in kleinen Gruppen, welches zeitweise unter Anleitung von Karl Kleiner durchgeführt wurde. So stellten sich neun Nachwuchsspieler in der Generalversammlung 1971 mit dem Lied "Stille Nacht, Heilige Nacht" vor. Außerhalb der musikalischen Heranbildung gab es jedoch noch keine spezifische Jugendarbeit. Ende der 1970er Jahre wurde dann ein Jugendvertreter in den Vorstand gewählt, der dort die Interessen der Jugendlichen vertreten sollte. Als Josef Henn 1982 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes feierte, sprach ich Ewald Huppertz an, ob ich nicht die Nachwuchsarbeit neu beleben sollte. Durch gezielten Ansprachen von Eltern und Kindern konnte ich in kurzer Zeit insgesamt 11 neue Musikschüler gewinnen, wovon ich sechs selbst unterrichtete. Hierzu mussten Instrumente von über 10.000,-DM angeschafft werden. Interessant war dabei auch die instrumentelle Erweiterung um zwei Konzertflöten, für die zunächst einmal mühsam Ausbilder gesucht werden mussten, denn hierzulande gab es kaum Konzertflöten in der Blasmusik. Steffi Kreitz und Ralf Vinken konnten zunächst durch Frau Zaum aus Simmerath und später dann durch einen jüngeren Spieler der Roetgener Blasmusik angelernt werden.

Jugendorchester

Die musikalische Ausbildung wurde stärker dadurch qualifiziert, dass der Verein in den Volksmusikerbund eintrat und die Musikschüler an die sog. D-Prüfungen herangeführt wurden. Dies zahlte sich sehr schnell aus, so dass es schon 1983 möglich war, unter meiner Leitung als Jugenddirigent ein Jugendorchester zu bilden und auftreten zu lassen. Wir hatten also neben dem Jugendvertreter im Vorstand nun auch einen Jugenddirigenten. Jetzt begann begleitend eine strukturierte Jugendarbeit. Der Nachwuchs machte erstmalig 1984 einen eigenen Ausflug ins Aachener Polizeipräsidium und anschließend in die Eishalle am Tivoli. Diese außermusikalischen Aktivitäten wurden vom jeweils amtierenden Jugendvertreter organisiert und durchgeführt.

Jugendvertreter im Vorstand: Manfred Maeghs, Roland Schreiber, Walter Schreiber, Norbert Harings, Stefanie Schreiber, Nadine Palm, Sascha Huppertz.

Die Auftritte des Jugendorchesters wurden zunehmend selbständiger und qualitativ besser, was für die hohe Motivation der Jugendlichen sprach. Das Jugendorchester spielte z.B. alleine auf Weihnachtsfeiern oder beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". Sobald die Kinder oder Jugendlichen die D-2 Prüfungen abgelegt hatten, konnten sie im großen Orchester mitspielen. Dies geschah aber mit einer Übergangsphase, in der die jungen Spieler nach der Jugendprobe von 19.00 - 20.00 Uhr dann noch eine Stunde bis 21.00 Uhr mit den "Großen" zusammenspielen durften. Hierbei wurde auch immer ein Pate aus dem großen Orchester bestimmt, der sich im Register um den Nachwuchs "kümmern" sollte. Wenn diese "Schnupperphase" vorbei war, spielte der junge Spieler danach nur noch im großen Orchester und half dann gelegentlich den Nachgerückten im Jugendorchester bei Auftritten aus. Dieses Konzept bewährte sich bestens, so dass das große Orchester nach einer Anlaufphase erheblichen Aufschwung nahm. Nachdem ich 1989 zweiter Dirigent wurde, ging die Jugendarbeit in die Hände von Walter Schreiber über. Er hatte die C 1- Prüfung1 abgelegt und war schon mehrere Jahre als Ausbilder tätig. Unter seiner Leitung manifestierte sich die Jugendarbeit zu einem festen Bestandteil der Vereinsarbeit, die er zusammen mit seiner Freundin Steffi Kreitz ausbaute. Neben vielen selbstständigen Auftritten wurden viele Jugendmaßnahmen, wie z.B., Nikolausbesuch, Schwimmen, Zelten oder auch Rollschuhdisco durchgeführt, deren Abschluss meist auf einer Konzener Kegelbahn endete. Zusammen mit Kathrin Vollmann betreute Walter Schreiber erstmalig 1990 eine Blockflötengruppe, in der erste Kenntnisse von Noten, Rhythmik und Zusammenspiel erlernt wurden. Diese Aufgabe übernimmt heute Helga van der Heyde mit jährlich wechselnden Kindergruppen. Immer öfter konnten nun auch ältere Spieler aus dem Verein zur Ausbildung von Schülern gewonnen werden, die damit wertvolle Jugendarbeit leisteten und an der Investition für die Zukunft beteiligt sind. Je nach Einzelfall unterrichteten auch auswärtige Musiklehrer, je nach Investitionsbereitschaft der Eltern oder der Besonderheit des Instruments. Seit 1992 hat das Jugendorchester auch ein eigenes Outfit. In türkisfarbenen Sweatshirts, die der Vereinswirt Achim Huppertz gestiftet hatte, wirkten sie flott und einheitlich.

HGW-Stiftung

Hans-Georg Weiß hatte 1992 die Idee, die Jugendarbeit der Musikvereine im Bereich der Stadt Monschau durch eine Stiftung zu fördern. Er gründete die HGW-Stiftung, bildete ein Kuratorium und konzipierte eine gezielte Musikjugendförderung. Das Konzept sieht eine Pro-Kopf-Förderung und eine Ausbildungsbeihilfe vor. Daneben soll es auch zur Bildung eines Stadtjugendorchesters kommen. Diese Förderung ist für die Jugendarbeit sehr fruchtbar und wirkt in vielerlei Hinsicht segensreich. Es gelang auch unter Mitwirkung einiger Konzener Jugendlicher, ein solches HGW-Orchester zu bilden, welches auch zu einigen Anlässen auftrat.

Kommen und Gehen

1993 nahmen vier Mitglieder des großen Orchesters an einem Gruppenleiterlehrgang teil, um die Nachwuchsarbeit noch besser zu gestalten. Das Jugendorchester kam sogar ins Radio, als der Regionalsender "Antenne AC" eine Aufnahme bei der Begrüßung der Vennbahn-Dampflok übertrug und den Jugenddirigenten Walter Schreiber interviewte. 1994 wurde Jugenddirigent Walter Schreiber auch noch zum zweiten Dirigenten gewählt, während seine damalige Freundin Steffi Kreitz als Jugendvertreterin in den Vorstand kam. Der Vorstand beschloss, die Ausbildung zur D 2 Prüfung (Orchesterreife) mit 200,-DM je Prüfling zu unterstützen, um einen Anreiz zu geben, allerdings nur, wenn diese auch anschließend mindestens 5 Jahre dem Verein treu bleiben. Im Jugendorchester herrscht eine ständige Fluktuation. Wenn eine Gruppierung zu guten Leistungen herangeführt ist, wechselt sie ins große Orchester und spielt nur noch zur Unterstützung. Dann fängt der Jugenddirigent wieder von Neuem mit den neu angelernten Schülern an. Mein Sohn Paul-Georg Huppertz wurde auf der Generalversammlung 1997 erstmalig als neuer Jugenddirigent eingesetzt. Er löste Walter Schreiber ab, der weiterhin 2. Dirigent des großen Orchesters blieb. Seit dem hat Paul-Georg Huppertz mit dem Jugendorchester schon einige Auftritte bei Weihnachtsfeiern, bei den Landfrauen, bei Konzerten und bei ähnlichen Veranstaltungen mit Erfolg bestritten.

Der 140 Jahre alte Verein hat also die Zeichen der Zeit erkannt und die Jugendarbeit zu einem Schwerpunkt der Vereinsarbeit gemacht. In einer multimedialen Zeit ist diese Aufgabe schwieriger als früher, aber auch wegen der vielen Gefahren für Kinder und Jugendliche wichtiger. Denn Jugendarbeit im Verein erübrigt soziale Auffangarbeit, die zudem oft sehr teuer ist. So bleibt die Politik aufgerufen, dies genau im Auge zu behalten und hier den Vereinen weiterhin Unterstützung in vielfältiger Form zukommen zu lassen.

Vereinsausbilder 1999: Jo Cremers, Nobert Harings, Guido Huppertz, Manfred Huppertz, Paul-Georg Huppertz, Günter Krüger, Steffi Schreiber, Walter Schreiber, Helga van der Heyde, Christiane Vossel.