Dirigenten

Peter Widdauer

Der erste Dirigent des aus dem Kriegerverein hervorgegangenen Blasorchesters war der Postagent Peter Widdauer (1842 - 1911) aus Imgenbroich, genannt Fleeschpötter, der Mitgliedern des Kriegervereins Noten und Instrumentenkenntnisse vermittelte. Dabei half ihm der in Konzen tätige Kaplan Friedrich Gimken, der seit 1869 als Vikar eingestellt und dann wegen des herrschenden Kulturkampfes 1875 nur als Pfarrverwalter eingesetzt wurde. Er vermittelte als begabter Musiker den Laien erste spielerische Fähigkeiten. Kaplan Gimken wurde später am 18.4.1887 als Hilfsgeistlicher nach Großhau versetzt.

Johann Kleiner

Danach gibt es noch eine Urkunde anlässlich der Hochzeit von Johann Kleiner (1869 - 1920) mit Gertrud Steinröx aus dem Jahre 1886, die ihm als dem Dirigenten der Musik des Kriegervereins ein "Vivat! Vivat!" wünscht. Wie lange er dirigiert hat, geht aus den Schriften leider nicht hervor. Er soll aber auch hin und wieder komponiert haben.1 Dabei handelt es sich um den Großvater von dem langjährigen Geschäftsführer (1955 - 1993) Karl Kleiner.

Peter Völl

Nach dem ersten Weltkrieg wird der Musikverein im Wesentlichen bestimmt von den drei Gebrüdern Josef Call (Lenze Jupp), Heinrich Call (Lenze Hen), und Johann Call (Lenze Jennesje) und deren Schwager Peter Völl, der zum Dirigenten erkoren wurde. Bei Josef Call, der ein Zimmer zur Verfügung stellte, wurde dann geprobt. An einem Liederpotpourri wurde dabei mal zwei Jahre geübt und es war noch immer nicht aufführungsreif.

Herr Mandt

Robert Schütt, der Geige gelernt hatte, koordinierte Ende der 1920er Jahre eine kleine Gruppe von Streichern, die vornehmlich zum Tanz aufspielten. Ca. 1932 kam dann Herr Mandt, ein neuer Zollbeamter, nach Konzen und übernahm als Dirigent dieses kleine Streichorchester. Er war lange Jahre als Musiker bei der Schutzpolizei gewesen und spielte Geige und Flöte. Unter ihm nahm das Streichorchester neuen Schwung. Das Musizieren musste jedoch mit Beginn des Krieges eingestellt werden und ist auch nach dem 2. Weltkrieg nicht wieder neu entstanden.

Josef Call

Leider sind über die Zeiträume keine Dokumente erhalten und auch die Zeitzeugen können sich kaum an genaue Daten erinnern. Nach Peter Völl als Dirigenten wird in den Unterlagen nur noch der Zollbeamte Mandt erwähnt, der jedoch nicht die Blasmusik dirigierte. Ob nun Josef Call als Vorsitzender auch dirigiert hat, kann heute nicht mehr exakt festgestellt werden. Maßgeblich am Wiederaufbau des Orchesters war jedenfalls auch Josef Call nach dem 2. Weltkrieg beteiligt und wurde in der Generalversammlung vom 12.7.1953 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Robert Schütt

Nach dem 2. Weltkrieg begannen einige alte Spieler unter der Leitung von Robert Schütt mit dem Wiederaufbau des Vereins. Robert Schütt hatte mit 10 Jahren "vom Christkind" eine Mundharmonika bekommen und dabei seine Leidenschaft für die Musik entdeckt. Überall nahm er seine "Monnika" mit, sogar zum "Kühehüten", wo er um die Wette mit den Lerchen musizierte. Als er dann 16 Jahre alt war und der Dirigent Jakob Theißen aus Höfen seine Schwester Johanna freite, fuhr er eines Tages mit ihm nach Aachen, um dort eine Trompete zu kaufen, die 100.000,-RM kostete. Ein Woche später kostete sie schon 200.000,- RM. So war das eben in den "goldenen Zwanzigern" mit der Inflation.

Robert Schütt war von Beruf selbständiger Schuhmachermeister und Landwirt. Er trat der "Eintracht" 1923 bei. In den 30er Jahren war er schon Dirigent des Männerchores "Sängerfreude 1920" und als einziger Schuster im Dorf wurde er vom Militärdienst freigestellt. 1944 wurde er mit seiner Familie nach Burg bei Magdeburg evakuiert, ein paar Tage danach von den Russen in Kriegsgefangenschaft genommen und kam am 23.7.1948 als Spätheimkehrer wieder nach Hause. 14 Tage später "schleppte" man ihn, wie er schreibt, zur Nachkirmes bei Huppertz-Steinröx. Dort spielte eine Kapelle aus Kall und er fragte: "Warum spielt die Konzener Musik nicht?" Man sagte ihm, dass die Instrumente alle fort oder kaputt seien und man keine "Musik" mehr habe. Dabei hat Robert Schütt sich geschworen, erst den Hof zu Hause in Ordnung zu bringen und dann wieder eine "Musik" auf die Beine zu stellen. Er war es nun, der einige Musiker um sich scharte, die auch früher musiziert oder beim Militär Instrumente erlernt hatten. Sie inserierten in der Zeitung, kauften sich gebrauchte Instrumente und begannen wieder zu musizieren. Dies geschah bei Hochzeiten, Fronleichnam, Kirmes und möglicherweise auch bei Theateraufführungen, wo immer die Rede von einer Musikabteilung oder einem Blasorchester war. Einen baldigen öffentlichen Auftritt mit drei Trompeten, zwei Tenorhörnern und Tuba riskierten sie zur Fronleichnamsprozession 1949. Robert Schütt hatte tagelang gesessen und aus Orgelbüchern für jedes Instrument die passenden Noten geschrieben, weil keine mehr vorhanden waren. Im gleichen Jahr auf einer Probe wurde er von den Erneuerern als "Musikleiter" bestimmt und dann später in der ersten Versammlung nach dem Kriege am 29.6.1951 offiziell gewählt. Robert Schütt trat auch dem Theaterverein bei und wurde dort auch zum Leiter der Musikabteilung gewählt. Diese Abteilung hat sich jedoch im Laufe der Zeit nicht etabliert. Robert Schütt war unter den aktiven Spielern als der mit den besten Kenntnissen zum Leiter gewählt worden. Er selbst spielte Trompete und gelegentlich Tenorhorn. Das Dirigieren in der damaligen Zeit beschränkte sich oft auf das Bestimmen der Stücke, das Anzählen und den Schluss. Ansonsten spielte auch der Leiter mit, denn bei 13 Aktiven war halt jeder Mann gefragt. Für neue Literatur hatte man kein Geld, so dass die alten Noten noch herhalten mussten, die der Krieg übriggelassen hatte. Schon 1953 gab es dann den ersten Dirigentenwechsel. Weil der Vorsitzende Paul Huppertz (Boresjueseps) schwer erkrankte, konnte er sein Amt nicht mehr fortführen. Deshalb übernahm Robert Schütt diese Aufgabe, wurde auf der Generalversammlung am 12.7.1953 zum neuen Vorsitzenden gewählt und Ewald Huppertz wurde nun zum neuen "Musikleiter" gewählt. Robert Schütt gab 1958 auch dieses Amt des Vorsitzenden auf eigenes Bitten auf und wurde danach zum Ehrendirigenten ernannt. Er starb im Jahre 1977 im Alter von 72 Jahren.

Ewald Huppertz

1953 bei seiner Wahl zum Dirigenten war Ewald Huppertz erst 23 Jahre alt und spielte schon seit 1950 im Verein als Posaunist. Beruflich war er im elterlichen Betrieb als Zimmermann tätig. Sein Vater hatte ihm in Aachen vom Musikhaus Hogrebe ein Akkordeon gekauft, mit dem er sehr schnell Zugang zur Musik fand und damit auch gelegentlich zum Tanz spielte. Später kaufte er sich dann eine Posaune und lernte zunächst bei "Booms Jüppche" (Josef Crombach) aus Schopphoven. Mit Ewald Huppertz waren gleich die zwei Brüder Theo (Klarinette) und Heinrich (Schlagzeug) in den Verein gekommen. Später dann noch Walter (Tuba) und Josef (Trompete), so dass schon fast wieder von einem Familienorchester die Rede sein konnte (wie früher die Call-Brüder). Seine musikalisch-theoretischen Kenntnisse hatte er bei dem Musiklehrer und Musikalienhändler Josef Breuer aus Arnoldsweiler, der in Simmerath einen kleinen Musikladen im elterlichen Hause betrieb, von 1951 bis 1953 erlernt und beim Musiklehrer Scheidtweiler aus Düren (bis 1958) verbessert. Er sorgte nun mit jugendlichem Elan für die Weiterentwicklung des kleinen Orchesters. Neue Noten und Instrumente bekam er dort.

Das Repertoire bestand zunächst aus Märschen, Walzern und Polkas. Jedoch bereits am 10.1.1954 auf einer außerordentlichen Generalversammlung wurde die Ouvertüre "Rautendelein" von Springer aufgeführt. Ewald Huppertz stellte nun schon höhere Ansprüche an die Qualität des Musizierens. Auf der Generalversammlung am 18.12.1955 wurde auf seinen Vorschlag beschlossen, "keine Neuaufnahmen mehr zu tätigen, bis die Interessenten eingehend auf ihre musikalische Begabung geprüft sind". Hiervon versprach er sich eine Verbesserung des musikalischen Niveaus. Die Ausbildung übernahm er dabei z.T. selbst oder vermittelte auch andere Ausbilder, wie z.B. Albert Scheidweiler aus Niederzier. Der Musikverein spielte vornehmlich zur Kirmes, auf Fronleichnam und im wahrsten Sinne des Wortes auf vielen Hochzeiten, so auch am 17.5.1956 auf der Hochzeit des Dirigenten Ewald Huppertz mit seiner Frau Ulla.

Im Geschäftsbericht für das Jahr 1958 wurde auf die guten Fortschritte der Kapelle hingewiesen, welches ein großes Verdienst des bewährten Dirigenten Ewald Huppertz war. Dabei stellte man fest, "dass nunmehr 17 aktive Musiker tätig sind". Für Ewald Huppertz entwickelte sich die Tätigkeit als Dirigent in der Weise, dass dieses Hobby für ihn nicht mehr nur Nebensache, sondern stark zum Lebensinhalt wurde. Nicht nur, dass fast alle Brüder im Orchester spielten und im Dorf schon vom "Hardt-Mathes-Verein" gesprochen wurde, sondern auch Frau und Kinder, Beruf und Freizeit waren vom Musizieren in der "Eintracht" und vom Vereinsleben durchdrungen. Unter seiner Leitung gab es die ersten anspruchsvollen Konzerte, die nicht von der sog. Gebrauchsmusik bestimmt waren. So wurde am 27.10 1963 ein solches Konzert veranstaltet. Dies diente auch dazu, der als Abteilung aufgenommenen Mandolinengruppe die Möglichkeit zu geben, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Ewald Huppertz führte das Orchester zu neuen Herausforderungen. So wurden auf dem Kameradschaftsabend 1959 die "Leichte Kavallerie" von Franz v. Suppé, 1963 beim gleichen Anlass die schönsten Melodien aus der Operette "Der Vogelhändler" und auf dem Kreismusikfest in Steckenborn die Ouvertüre zu "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach mit glänzendem Erfolg gespielt. Die aktiven Spieler, die sich heute dieses Repertoire erarbeiten müssen, wissen was das heißt. Neben dieser konzertanten Erweiterung des Repertoires blieb die Stilrichtung des Orchesters eher neokonservativ. Ganz bewusst wurden keine Saxophone und Elektronik-Instrumente eingesetzt. Dem Trend in den 70er Jahren, sich in Richtung einer Big-Band zu entwickeln, wurde gezielt nicht nachgegangen. Ein weit bekannter weicher Klang mit einem volkstümlichen, jedoch auch anspruchsvollen konzertantem Auftreten war das Markenzeichen, mit dem der Dirigent das Orchester prägte. 1965 wurde erstmalig die Funktion eines zweiten Dirigenten mit Theo Huppertz eingeführt, dem 1971 Christoph Call folgte. Für die gleichbleibende Fortentwicklung des Vereins garantierte der Dirigent, der kaum einen Termin versäumte. So konnte Ewald Huppertz am 4.August 1978 auf eine 25jährige Zeit als Dirigent zurückblicken, was ihm seine Musiker mit einem Ständchen dankten.

Als die Musikvereine der Stadt Monschau 1981 gemeinsam eine Schallplatte (Klänge aus dem Monschauer Land) herausbrachten, war auch die "Eintracht" mit dabei und ließ sich erstmalig auf einen Tonträger professionell produzieren. Ein Wagnis, welches sowohl den Erfahrungsschatz des Dirigenten als auch der Spieler anwachsen ließ und was dann 1987 mit der Schallplatte der Monschauer Vereine "So klingts bei uns" wiederholt wurde. Die 80er Jahre waren wieder geprägt von einem neuen Schub in der Nachwuchsarbeit. Zunächst kamen 11 Kinder und Jugendliche 1982 zu einem Jugendorchester zusammen und es gab zum ersten Mal einen Jugenddirigenten. 2. Dirigent wurde unterdessen Guido Huppertz ,der Sohn des Dirigenten, nachdem Christoph Call zur Kalterherberger Musik gewechselt hatte. So gab es jetzt faktisch drei Dirigenten. Viele Höhepunkte waren dem Wirken von Ewald Huppertz zu verdanken. Es waren die vielen Weihnachtskonzerte, die zusammen mit dem Kirchenchor immer erfolgreicher wurden und später Wunschkonzerte (1986 und 1987), bei denen das Publikum selbst bestimmen konnte, was beim Frühjahrskonzert dargeboten wurde. Allerdings hatten die Musiker und der Dirigent nur 4 Wochen Probezeit, um die ausgewählten Stücke einzustudieren. Eine neue Herausforderung.

Ende der 80er Jahre wurde Ewald Huppertz des Öfteren krank, insbesondere als auch seine Frau Ulla schwer erkrankte. So war 1988 auch wieder ein Frühjahrskonzert geplant, als er drei Wochen davor ins Krankenhaus musste. Darauf trat der Vorstand zusammen und beauftragte nunmehr mich als Jugenddirigenten, das Konzert am 26. März 1988 zu dirigieren. Mit nur drei Wochen Vorbereitung hatte ich dann u.a. mit dem Volksliederpotpourri "Kein schöner Land" mein Debüt mit dem großen Orchester. 1989 wurde ich dann neben den Aufgaben als Jugenddirigent und dem Amt des 2. Vorsitzenden auch zum zweiten Dirigent gewählt. Obwohl Ewald Huppertz mit Unterbrechungen weiter dirigierte, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zunehmend, insbesondere nachdem seine Frau Ulla im November 1988 gestorben war. Auch Josef Henn, der langjährige Vorsitzende, erkrankte zur gleichen Zeit schwer, so dass für mich auch die Arbeit des 1. Vorsitzenden des Öfteren anfiel. So musste ich z.B. die Generalversammlung 1989 leiten, gleichzeitig das Jugendorchester und das große Orchester dirigieren.

Im Jahre 1990 schlug dann das Schicksal zu. Am 9. März verstarb Josef Henn und am 25. 8. 1990 Ewald Huppertz. Zuletzt hatte er am 17.August auf dem Straßenkonzert "Am Knöpp" dirigiert. Noch am 20. Januar des Jahres hatte ihm die Musik ein Ständchen zur Vollendung des 60. Lebensjahres gespielt und nach dem Tode von Josef Henn hatte er sich noch zusammen mit mir bei Ewald Blumensath für die Übernahme des 1. Vorsitzenden eingesetzt. Nun war eine erfolgreiche und über 37 Jahre kontinuierliche Arbeit eines bodenständigen Musikers und Dirigenten zu Ende gegangen. Alle mochten ihn wegen seiner eher bescheidenen, jedoch durchaus bestimmenden Art, wie er den Verein über eine Generation hinaus geprägt hatte. Josef Henn hatte 1988 noch geschrieben, dass der besonders ausgeprägte Gemeinschaftssinn und das dauernde Bemühen um echte Kameradschaft auch außerhalb des Vereinslebens ein Herzensanliegen von Ewald Huppertz waren. Er sei ein Wegbereiter für die außergewöhnliche positive Entwicklung der Konzener "Eintracht" und seinen 46 aktiven Musikern stets ein Vorbild gewesen, welches sich auf viele übertragen hatte.

Manfred Huppertz

Am 26. September 1990 wählten dann die Spieler des Orchesters Manfred Huppertz zum ersten Dirigenten und Reinhold Jung zu seinem Vertreter. Walter Schreiber wurde Jugenddirigent und Steffi Kreitz Jugendvertreterin. Nun begann eine neue Generation von Musikern, die Geschicke des traditionsreichen Orchesters zu führen. Meine musiktheoretischen Kenntnisse hatte ich schon auf dem Gymnasium in Monschau erworben (als Strafarbeit wurde immer transponiert), dort 7 Jahre Geige bei Musiklehrer Matheisel (geb. Sulla) gelernt und auch im Schulorchester die 3. Geige gespielt. 1961 gründete ich zusammen mit einigen anderen unter der Führung von Günter Rönnig das Mandolinenorchester. Im gleichen Jahr trat ich am 15. April 1961 in den Musikverein ein. Ewald Huppertz brachte mir eine Piccoloflöte, gab mir eine Piccoloschule mit und bat mich, mir das Instrument im Selbststudium zu erschließen. Dies war ein fast unmögliches Unterfangen, da es kaum Anfängerliteratur gab, kein Lehrer zur Verfügung stand und die Notenlage der Piccoloflöte (ständig weit über den Linien) sehr ungewohnt war. Doch der Versuch gedieh sogar soweit, dass ich bei der Heimbachprozession mitgehen konnte und die bekannten Marienlieder mit Klarinettennoten transponiert spielen konnte. Doch weit konnte ich so nicht kommen und bat dann auch den Dirigenten um ein anderes Instrument. So wurde ich mit einem Es-Horn in gerader Tenorhornform bekannt gemacht, welches schon mein Vater Paul Huppertz gelegentlich gespielt hatte. Auch hier war Selbststudium angesagt, doch diesmal schien dies erfolgreich zu sein, denn sehr bald konnte ich schon die erste Ouvertüre "Feodora" mit dem Orchester mitspielen. An der Seite von Willi Kreitz entwickelte ich mein Spiel fort und spielte nebenbei auch noch in der Polizeikaserne in Linnich eine Es-Saxophonstimme zur Weihnachtsfeier. Das hatte den Vorteil, dass ich nicht an der Formalausbildung auf dem Exerzierplatz teilnehmen musste und außerdem noch meine praktischen Fertigkeiten weiterentwickeln konnte. Ich hatte nach dem Einjährigen nämlich 1963 eine Ausbildung als Polizeibeamter in Linnich begonnen. Sechs Jahre später, während eines Lehrgangs in Bochum erlernte ich im Selbststudium dann Posaune, weil dieses Instrument seit einiger Zeit im Orchester nicht mehr besetzt war. Nach einer "Flurbereinigung" meiner vielen Hobbys setzte ich dann meine Freizeit nur noch im Musikverein ein, so dass schon 1982 die Jugendarbeit neu belebt wurde. Ich unterrichtete Trompete, Flügelhorn, Es-Horn und Tenorhorn und formte in nur einem Jahr ein relativ eigenständiges Jugendorchester, welches ich auch dirigierte. Ein Novum in der langen Vereinsgeschichte. Gleichzeitig betrieb ich den Beitritt zum Volksmusikerbund und wurde auch 1985 Musikausbilder der Volksmusikerschule in der Simmerather Hauptschule. Dort konnten dann auch weitere Schüler des Vereins in Theorie und Praxis ausgebildet werden. 1988 besuchte ich zusammen mit Reinhold Jung, Walter Schreiber und Steffi Kreitz den ersten Dirigentenlehrgang (C1) in Aachen, Rollefer Berg. Steffi und Walter lernten sich dort sogar näher kennen, was 11 Jahre später dann zur ersten Hochzeit zweier Aktiven führte. Danach folgten noch mehrere Workshops und Wochenendseminare für Dirigenten, so z.B. mit Hank van Lijnschooten, Karl-Heinz Bell, Manfred Schneider und Pierre Kuypers, dem Dirigenten der KMK, der niederländischen "Königliche Militärkapelle".

Mit diesen Voraussetzungen fühlte ich mich nun gewappnet, nach dem Tode von Ewald Huppertz die Dirigentschaft zu übernehmen. Ein solcher Generationsschritt in der Leitung eines Orchesters bringt natürlich auch Veränderungen mit sich. So wurde auch der zweite Dirigent stärker eingesetzt und dirigierte auch auf Konzerten mal ein Stück, welches er selbst mit den Spielern erarbeitet hatte. Registerführer übernahmen organisatorische und musikalische Aufgaben, um dadurch eine stärkere Struktur in das angewachsene Orchester zu bringen. Höhepunkte waren in diesen 10 Jahren immer wieder die Konzerte zur Weihnachtszeit, die immer mehr überregionales Publikum anzogen. Aber auch das Frühjahrskonzert war fast immer ausverkauft. 1997 stellte sich das Orchester in einem Musikwettbewerb beim Landesmusikfest in Brilon und errang in der Mittelklasse eine Auszeichnung mit "gutem Erfolg".

Eine besondere Herausforderung war die Aufnahme einer CD, die nur durch unser Orchester gestaltet wurde. Dieses gelungene Werk konnte dann in Vorbereitung auf die 125-Jahr-Feier Ende 1998 herausgebracht werden.

Mit Beginn des Jahres 2000 beabsichtige ich nun, den Dirigentenstab in jüngere Hände zu legen. Dies sollte man dann tun, wenn man "schade" und nicht "Gott sei Dank" sagt. Vorbesprechungen zur Nachfolge wurden rechtzeitig eingeleitet und kamen dann auch 1998 zu einem Ergebnis. Stefan Herbst, ein 22jähriger Trompeter, wird den neuen Generationsschritt mit dem Verein nach 125 Jahren nun versuchen. Glück auf !