Der erste Weltkrieg und die goldenen Zwanziger

Der 1. Weltkrieg Die sogenannte gute alte Zeit, die es immer gegeben hat, ging mit dem Ausbruch des Weltkrieges zu Ende. Die älteren Leute sprechen heute noch immer vom Weltkrieg, wenn sie den ersten Weltkrieg meinen, denn den zweiten kannten sie ja 20 Jahre nicht. All den romantisierenden Erzählungen und auch der öffentlichen Euphorie folgend zogen viele begeistert "ins Feld", wie damals der Krieg verharmlosend bezeichnet wurde. Der Anfangsbegeisterung wich sehr schnell ein lähmendes Entsetzen über die Brutalität der inzwischen fortgeschrittenen Kriegsmaschinerie. Das war ganz anders als die Veteranen "va Sevenzig" erzählt hatten. 150 Konzener waren eingezogen worden und 38 kamen nicht mehr zurück. Das blühende Leben des Musikvereins ruhte und Musik wurde leider nur an Gräbern gebraucht. Nach dem Weltkrieg waren die wirtschaftlichen Verhältnisse katastrophal: Da war die Unsicherheit, ob Konzen nicht noch zu Belgien kommen würde. Zusätzlich vernichtete eine verheerende Inflation radikal alle Ersparnisse sowie Geldwerte und machte viele bettelarm.

Neubeginn

Trotz dieser ungünstigen Ausgangslage blühten Anfang der 1920er Jahre sehr viele Vereine neu auf oder wurden neu gegründet. Die bisherigen Säle genügten den Anforderungen nicht mehr. So baute Heinrich Huppertz 1922 einen neuen Saal. Dieser wurde als Turnhalle, Tanzsaal und Theater genutzt. 1922 wurden der Turnverein, das Trommler- und Pfeiferkorps und der Gesangverein "Sängerfreude" gegründet. Der Kriegerverein jedoch hatte an dieser Entwicklung keinen Anteil. Von Kanonen und Feldzügen wollte man nichts mehr wissen. Der Sieg hat viele Väter, die Niederlage ist bekanntlich eine Vollweise. Durch Sterbefälle ging die Zahl der Veteranen drastisch zurück und die Begeisterung für den kameradschaftlichen Verein schwand dahin. Doch die Musikabteilung nahm trotz dieser Entwicklung neuen Schwung und formierte sich neu.

Musik statt Brot

1918, als sich die geschlagene Armee Tag und Nacht durch die Dörfer der Eifel zurückzog, war Robert Schütt gerade vierzehn Jahre alt, genau richtig, um die Nase überall rein zustecken. So waren der Hof immer voller Wagen und die Scheune voller Pferde und Soldaten, die eine Nacht ausruhen wollten. Der überall bestehende Hunger machte neugierig. So sah Robert Schütt eines Abends am Sitz eines Wagens ein Signalhorn hängen. Der Fahrer sah seine neugierigen Blicke und schenkte ihm das Horn. Robert Schütt ging nun nicht hin und versilberte das Instrument, um sich mal satt zu essen, sondern blies mit seinen beiden Brüdern Josef und Hermann darauf, dass es bis ins Belgenbachtal schallte. Damit war nicht nur Ansatz fürs Trompeteblasen sondern auch der Wunsch geboren, eine richtige Trompete zu spielen, die er dann auch mit 16 Jahren bekam.

Goldene Zwanziger

Als er dann 1923 mit seinen Brüdern Hermann und Josef in den Musikverein eintrat, bestimmten im Wesentlichen die Gebrüder Josef, Johann und Heinrich Call die Geschicke des Musikvereins. Weitere Mitglieder mit Dirigent Peter Völl waren Josef Roder, Peter Stollenwerk und Klaus Kohl.

Streichorchester

Ende der zwanziger Jahre entwickelte sich dann parallel zur Blasmusik ein Streichorchester, welches zunächst durch Robert Schütt geführt wurde. Er lernte ein Jahr lang beim Lehrer Steffens Geige und hatte dann Clemens Krings, Ferdi Völl, Ewald Stoffels und Josef Kirch das Geigenspielen weitervermittelt. Dazu stießen sein Freund Karl Engels aus Imgenbroich mit einem Klavier, Josef Gillessen mit dem Schlagzeug und sein Bruder Hermann Schütt mit der Trompete. Es war eine richtige Band und zumeist wurde zum Tanz aufgespielt. Bis 1928 probten sie in Imgenbroich, weil dort bei Karl Engels das Klavier stand. Als sich dann aber auch Heinrich Huppertz, der Konzener Saalwirt, ein Klavier kaufte, probte das Streichorchester dann in Konzen. Da Robert Schütt auch Dirigent des Männerchores "Sängerfreude" war, gaben die beiden Vereine um 1930 ein Konzert, was für Konzen ein ganz großes Ereignis war. Unter anderen kamen die Stücke "Flamme empor" und "Ewig jung wie Maiensang" zur Aufführung. Bisher hatte man nur zum Tanz oder bei Hochzeiten, sog. Gebrauchsmusik, gespielt. Nun aber traute man sich zum ersten Mal an ein reines Konzert. Ab 1932 dirigierte dann der Zollbeamte Mandt das Streichorchester. Dadurch erhielt diese Gruppe neuen Auftrieb.Zur Blasmusikabteilung stießen dann noch Hubert, Peter und Willi Schreiber sowie Josef Völl, Mitte der dreißiger Jahre auch noch Johann Krings, Bernhard und Paul Huppertz (Boresjueseps)[2]. Durch die Wehrpflicht und andere Verpflichtungen wird es auch zu dieser Zeit eine Fluktuation unter den Spielern gegeben haben. Einige Spieler haben auch in beiden Gruppierungen gespielt. Sicherlich hat es auch mal Streit gegeben. So berichtet Peter Schreiber, dass man sich in den 30er Jahren mal getrennt habe und er mit seinem Bruder Willi und den drei Schütt-Brüdern alleine gewesen sei. Es ist auch trotz vieler Recherchen nicht klar festzustellen, wer denn neben der Streichmusik die Blasmusik geführt hat. War es Clemens Krings, der Peter Schreiber angelernt hat oder war es Josef Call, der musikalische Kompetenz hatte ? Gab es überhaupt einen Vorsitzenden und Dirigenten ? Leider können diese Fragen nicht eindeutig beantwortet werden, weil durch den 2. Weltkrieg viele Dokumente und Bilder verloren gingen und die erhaltenen Aufzeichnungen hierüber keine Auskunft geben. Auch die Befragung der Zeitzeugen hat hierbei nicht weitergeholfen. Vielleicht war die Bläsergruppe auch nicht so stark organisiert. Während des Krieges ruhte das Vereinsleben ohnehin weitgehend. Es wurde nur aus Anlass einer Feierstunde am Kriegerdenkmal gespielt.